Grossartige Epochen prägten das letzte Jahrhundert. Die ganze Welt vibrierte bei der Eroberung der Pole und des Everest, der Erforschung der Tiefseegräben, der Stratosphäre, des Weltraums und bei den ersten Schritten auf dem Mond.
Die Anfänge der Luftfahrt und die Weltumrundung mit dem Heissluftballon - diese grossen Premieren haben eines gemeinsam: sie haben unsere Wahrnehmung des Unmöglichen grundlegend verändert.
Im 21. Jahrhundert geht das Abenteuer weiter. Aber wie können wir den Pioniergeist und Wagemut jener, die uns vorangegangen sind, weiterführen?
Grosse Herausforderungen erwarten die Menschheit, und sie werden neue Horizonte für die Wissenschaft eröffnen. Statt in der Eroberung unbekannter Gebiete werden die Zielsetzungen jedoch immer mehr darin liegen, unseren Planeten vor aktuellen Bedrohungen zu beschützen und unsere Lebensqualität zu verbessern.
Die Ziele der nächsten Abenteuer werden daher humanitärer und medizinischer Natur sein, um die extreme Armut zu bekämpfen und neue Epidemien zu verhindern, politischer Natur, um die Regierung unseres Planeten zu verbessern, spiritueller Natur, um grundlegende Werte wieder zu entdecken und natürlich auch technologischer Natur, um nachhaltige Antworten auf Umweltbedrohungen zu finden.
«Das Abenteuer ist nicht zwangsläufig ein spektakulärer Akt, sondern eher eine "aussergewöhnliche" Tat, das heisst etwas, das uns über unsere gewohnte Art und Weise zu denken und zu handeln hinausführt. Eine Sache, die uns zwingt, aus dem Rahmen unserer Sicherheiten herauszukommen, in dem wir rein automatisch handeln und reagieren. Das Abenteuer ist eine Geisteshaltung gegenüber dem Unbekannten, eine Art und Weise, unsere Existenz als ein Versuchsfeld wahrzunehmen, in welchem wir gezwungen sind, unsere inneren Ressourcen zu entfalten, den Weg der persönlichen Entwicklung zu gehen und uns die ethischen und moralischen Werte anzueignen, die wir als Reisegefährten benötigen.» Bertrand Piccard
Man wähnt sich in einem Roman von Jules Verne: Ein Team will die erneuerbaren Energien fördern und macht sich deshalb auf, die Erde in einem Solarflugzeug zu umrunden. Ohne Treibstoff und ohne Schadstoffe ... eine Art Revanche des Ikarus.
Eine neue Utopie? Ein nettes Science-Fiction-Szenario? Nein, eine avantgardistische technologische Herausforderung! Ein Projekt, das verrückt genug ist, um unsere Gefühle anzusprechen und unsere Leidenschaft zu entfesseln: Eine saubere, erneuerbare Energie wird verfügbar gemacht und lässt sich uneingeschränkt, Tag und Nacht, für das Fliegen einsetzen.
Nachdem das Ziel erreicht ist, eine Nacht in der Luft zu verbringen, soll eine weitere folgen und dann noch eine, um sich so einem noch symbolischeren Mythos anzunähern: dem immerwährenden Flug.
Voller Bewunderung für den visionären Geist des berühmten Romanschriftstellers will auch Solar Impulse die Träume und die Wissenschaft ins Zentrum des menschlichen Abenteuers stellen und all jene versammeln, die den gleichen Werten nachleben.
«Mit dem Ausdruck «Ein Traum à la Jules Verne» bezeichnet man heute den Forschungselan und die Kraft, die das menschliche Wesen belebt. «Zeit, Geduld, Zähigkeit», schrieb mein Urgrossvater Jules Verne, weil alles Grosse in der Welt im Namen übertriebener Hoffnungen vollbracht wurde. Und es ist genau das, was Bertrand Piccard mit diesem ehrgeizigen Projekt mit universellem Nutzen symbolisiert.» Jean Verne
Noch nie hat eine einzige Familie die Forschungswelt derart geprägt wie Auguste, Jacques und Bertrand Piccard. In dieser Dynastie wird seit drei Generationen erfunden und erforscht: die Druckkapsel und der erste Flug in die Stratosphäre, der Bathyscaphe und der absolute Tauchrekord, die erste Nonstop-Umrundung der Erde im Heissluftballon. Oder, wie es der Schriftsteller Jacques Lacarrière sinnigerweise ausdrückt: "Diese drei beanspruchen für sich die verrücktesten menschlichen Träume, nämlich Fisch oder Vogel zu sein".
Solar Impulse folgt in direkter Linie dieser Tradition von Forschung, Abenteuer und wissenschaftlicher Entwicklung.

Auguste erfindet das Prinzip der Druckkabine und des stratosphärischen Ballons und ebnet so den Weg für die moderne Luftfahrt und für die Eroberung des Weltalls. Als er erstmalig in die Stratosphäre aufsteigt (auf 15'780 und 16'201 Meter Höhe in den Jahren 1931 und 1932) um die kosmischen Strahlen zu untersuchen, wird er zum ersten Menschen, der mit eigenen Augen die Erdkrümmung beobachten kann. Er wendet das Prinzip seines stratosphärischen Ballons auf die Erforschung der Tiefseegräben an, erfindet und baut ein revolutionäres Unterseeboot, das er Bathyscaphe nennt. Im Jahre 1953 taucht er mit seinem Sohn Jacques auf 3'150 Meter. Er wird zum Mann der Extreme: jener, der am höchsten aufgestiegen und am tiefsten abgetaucht ist.

Jacques realisiert mit Auguste mehrere Tauchrekorde, bevor er selbst den Tieftauchrekord bricht, als er im Marianengraben, dem tiefsten Punkt der Ozeane, eine Tiefe von 10'916 Meter erreicht. Er entdeckt in dieser Tiefe Leben und beweist dadurch die Existenz von Meeresströmungen zwischen dem Grund und der Oberfläche. Dieser historische Tauchgang hat auch dazu beigetragen, von der damals weit verbreiteten Idee der Entsorgung von hochgiftigen Abfällen in den Meeresgräben wegzukommen. Jacques führt die Arbeiten seines Vaters weiter und konstruiert das erste touristische Unterseeboot. Mit einem weiteren Mesoscaphe erforscht er in der Folge den Golf-Strom in einem einmonatigen Treib-Tauchgang, der - in Zusammenarbeit mit der NASA - auch zur Vorbereitung der Space Lab Missionen dient.

Als Bertrand nach seinem Grossvater und Vater in die Enzyklopädie Larousse Eingang findet, schliesst sich der Kreis. Nach einem der letzten grossen Abenteuer des 20. Jahrhunderts wird Bertrand ein gefragter Referent und entwickelt seine humanistische Vision des Abenteuers des Lebens. Seine Anliegen beziehen sich aber auch auf die Bedürftigsten. Deshalb gründet und präsidiert er die humanitäre Stiftung Winds of Hope und wird zum Goodwill-Botschafter der Vereinten Nationen ernannt.
Bertrand Website: www.bertrandpiccard.com
Aus den Tiefen in den Himmel
Der Abflug von André Borschberg in Richtung marokkanischer Wüste fiel zeitgleich auf den Abflug von Bertrand Piccard, allerdings in Richtung der US-amerikanischen Hauptstadt. Er folgte zusammen mit seinem Bruder Thierry und seiner Schwester Marie-Laure der Einladung der National Geographic Society, um die Hubbard Medaille ...
Der Abflug von André Borschberg in Richtung marokkanischer Wüste fiel zeitgleich auf den Abflug von Bertrand Piccard, allerdings in Richtung der US-amerikanischen Hauptstadt. Er folgte zusammen mit seinem Bruder Thierry und seiner Schwester Marie-Laure der Einladung der National Geographic Society, um die Hubbard Medaille entgegenzunehmen, die ihrem Vater, dem Forscher und Ozeanographen Jacques Piccard, posthum verliehen wurde.

Die Verleihung fand am Donnerstag, den 14. Juni in Washington D.C. statt und bot ebenfalls die Gelegenheit, den 125. Jahrestag des Veranstalters, der Stiftung der National Geographic Society, zu feiern. Die Medaille wurde von James Cameron, Filmregisseur (Titanic, Avatar, usw.), und Don Walsh, Forscher und Ozeanograph, übergeben. Letzterer hatte Jacques Piccard bei seiner Erforschung des tiefsten Punktes der Erde, dem Marianengraben, begleitet.

Dieser Tauchgang war nicht nur eine Höchstleistung, sondern bedeutete auch einen Wendepunkt für den Umweltschutz. Der Nachweis von Leben in diesen Meerestiefen führte zu Verboten seitens der Regierungen, Giftmüll in Tiefseegräben einzuleiten.
Wie schon zuvor Auguste Piccard, der die Druckkammer erfunden und 1931 die erste Reise in die Stratosphäre unternommen hat, und Jacques Piccard, der 1960 als erster Mensch die Tiefsee erforscht hat, haben Bertrand Piccard und André Borschberg gezeigt, wie wichtig es ist, seinen Ideen zu folgen, auch wenn deren Umsetzung unmöglich scheint.

Micheline Calmy-Rey, ehemalige Bundespräsidentin der Schweiz, hat am 6. Februar im Palast der Vereinten Nationen in Genf den Bericht zur nachhaltigen Entwicklung vorgestellt, der vom einem Gremium von Staatsoberhäuptern im Auftrag des Generalsekretärs der Vereinten Nationen verfasst worden war.
Im Wissen um die sehr konkreten Botschaften von Solar Impulse zugunsten von Technologien, die unsere Abhängigkeit von fossilen Energien vermindern, hatte sie Bertrand gebeten, bei dieser Gelegenheit gemeinsam mit ihr aufzutreten. Er erinnerte an die Anekdote mit seinen Meteorologen während der Nonstop-Weltumrundung ...
Im Wissen um die sehr konkreten Botschaften von Solar Impulse zugunsten von Technologien, die unsere Abhängigkeit von fossilen Energien vermindern, hatte sie Bertrand gebeten, bei dieser Gelegenheit gemeinsam mit ihr aufzutreten. Er erinnerte an die Anekdote mit seinen Meteorologen während der Nonstop-Weltumrundung im Ballon, die die Frage der Nachhaltigkeit und der langfristigen Vision so gut veranschaulicht: Sehr stolz, eine Flughöhe gefunden zu haben, in der die Winde zweimal schneller bliesen als vom Team berechnet, musste sich Bertrand den ironischen Kommentar seiner Wetter-Berater anhören: Willst Du eigentlich lieber sehr schnell in die falsche oder etwas langsamer in die richtige Richtung fliegen?".
Genau diese Frage müssten sich jetzt die Regierungen stellen, angesichts der Geschwindigkeit, mit der sich die Menschheit in Richtung riesiger öffentlicher Schuldenberge, Erschöpfung der natürlichen Ressourcen und Verschmutzung der Umwelt bewegt.Bertrand betonte weiter, dass die Pioniere von heute nicht mehr die Forschenden sind, die auf dem Mond spazieren gehen oder Weltumrundungen machen; Pioniere müssten vielmehr die Staatsoberhäupter sein und sich den immer schwierigeren Herausforderungen stellen, um die Lebensqualität auf diesem Planeten zu verbessern.
Der Bericht listet sehr praktische Empfehlungen zuhanden von Regierungen und internationalen Institutionen auf, wie die Abschaffung der Subventionen, von denen fossile Energien heute noch in vielen Ländern profitieren, oder die Internalisierung der Umweltkosten in die Verkaufspreisen aller Produkte. Endlich eine offizielle Stellungnahme die bestätigt, dass es einen gesetzlichen Rahmen braucht, um bestimmte Verhaltensweisen zu ändern, freuen sich Bertrand und André, die dieses Thema im letzten Jahr auch in ihrer Energie-Charta aufgeführt hatten.